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Choreo.tektur – Konzeptionen, Dynamiken und Pflege architektonischer Infrastrukturen

Laufzeit: 02.11.2026 - 30.09.2029

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Kurzfassung


Die seit der Antike rekurrente
vitruvianische Architekturdefinition stellt „Firmitas“ (Festigkeit), „Utilitas“
(Nützlichkeit) und „Venustas“ (Schönheit) als wichtigste Merkmale von
Architektur heraus. Während die Kategorien der Nützlichkeit und Schönheit über
die Jahrhunderte tiefgreifenden Gebrauchs- und Geschmacksveränderungen
unterlagen, blieb die Vorstellung der Festigkeit erstaunlich stabil. Als ebenso
persistent erwies sich das damit verknüpfte Verständnis von Architektur als
Einzelmonument...
Die seit der Antike rekurrente
vitruvianische Architekturdefinition stellt „Firmitas“ (Festigkeit), „Utilitas“
(Nützlichkeit) und „Venustas“ (Schönheit) als wichtigste Merkmale von
Architektur heraus. Während die Kategorien der Nützlichkeit und Schönheit über
die Jahrhunderte tiefgreifenden Gebrauchs- und Geschmacksveränderungen
unterlagen, blieb die Vorstellung der Festigkeit erstaunlich stabil. Als ebenso
persistent erwies sich das damit verknüpfte Verständnis von Architektur als
Einzelmonument und als originalgetreu zu bewahrendes „Meisterwerk“.



Aus der Gegenwartsperspektive
des spätmodernen und postdigitalen Zeitalters, dessen Mobilitäts- und
Flexibilitätsimperative zunehmend dynamische Räume und Raumerfahrungen
hervorbringen, stehen diese Vorstellungen auf dem Prüfstand. Fragen nach
Veränderung und Dynamik rücken in den Vordergrund. Das Netzwerk nimmt deshalb den
Aspekt der „Agilitas“ (Beweglichkeit) – als pointierten Gegenentwurf zu den
Vitruv‘schen Kategorien – zum Ausgangspunkt für seine Forschungsarbeit an der
Schnittstelle von Kunstgeschichte, Architekturtheorie und Denkmalpflege.



Das Netzwerk differenziert
dabei vorläufig zwischen drei Typen von Bewegung: erstens die Zeitlichkeit von
Bausubstanz – etwa im Rahmen von Planungs- und Bauprozessen oder bauliche und
materielle Veränderungen durch Weiter- oder Rückbau; zweitens die
Funktionsweisen von Architektur – etwa die Beweglichkeit von Bauteilen oder
Bewegung eines gebauten Objekts – und drittens Dynamiken ihrer Rezeption und
Nutzung – in Bezug auf das Sich-Bewegen oder Bewegt-Werden des Subjekts in der
gebauten Umwelt.



Der Titel „Choreo.tektur“ verweist gleichzeitig auf Gegenstand und
Methode des Netzwerks. Er impliziert ein erweitertes Verständnis von
Architektur, das – im Sinne des „infrastructural turn“ – gebaute Umwelt als
komplexes, dynamisches Gefüge begreift und zwar unabhängig davon, ob es sich um
geschlossene Monumente oder disparate Strukturen handelt. Mit einem Fokus auf
die Architektur der Moderne zielt das Netzwerk darauf ab, neue methodische
Zugänge zu entwickeln, die der dynamischen Eigenlogik der untersuchten Objekte
gerecht werden und zugleich gesellschaftliche und (körper-)politische
Dimensionen im Sinne eines kritisch-reflektierten Umgangs mit gebauter Umwelt
einbeziehen. Das kulturwissenschaftliche Konzept der Choreografie dient dabei
als Analyseinstrument, das es erlaubt, materielle Strukturen,
Bewegungsdynamiken und Steuerungsprozesse in ihrer Verschränkung zu untersuchen.
Neben der experimentellen Erprobung dieser interdisziplinären Methodik ist es
ein zentrales Anliegen des Netzwerks, auf der erarbeiteten Grundlage ein
dynamisches Care-Konzept für Architektur zu entwickeln, das Fürsorge für
Menschen und Bauwerke verbindet und damit Impulse für eine bislang vornehmlich
auf Fragen des Substanzerhalts konzentrierte institutionelle Denkmalpflege
setzen kann.
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  • Architektur
  • Choreografie
  • Denkmalpflege
  • Kunstgeschichte
  • Architekturgeschichte
  • Infrastruktur
  • Care

Beteiligte Einrichtungen