Prognostische Bedeutung der Genexpression von HER2, HER3, TROP2, FOLR1, B7-H4, EPCAM und LY75 als potenzielle Zielstrukturen für Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) beim frühen Mammakarzinom – eine retrospektive Analyse im Mainzer Genexpressionskollektiv
Laufzeit: 01.01.2025 - 31.12.2028
Kurzfassung
Hintergrund und wissenschaftliche Relevanz
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (Antibody–Drug Conjugates, ADCs) stellen einen der derzeit dynamischsten Innovationsbereiche in der systemischen Therapie des Mammakarzinoms dar. Durch die gezielte Bindung an tumorspezifische Oberflächenantigene ermöglichen ADCs eine selektive intrazelluläre Freisetzung hochpotenter Zytostatika bei gleichzeitig reduzierter systemischer Toxizität.
Mehrere Zielstrukturen haben sich in den letzten Jahren als klinisch...Hintergrund und wissenschaftliche Relevanz
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (Antibody–Drug Conjugates, ADCs) stellen einen der derzeit dynamischsten Innovationsbereiche in der systemischen Therapie des Mammakarzinoms dar. Durch die gezielte Bindung an tumorspezifische Oberflächenantigene ermöglichen ADCs eine selektive intrazelluläre Freisetzung hochpotenter Zytostatika bei gleichzeitig reduzierter systemischer Toxizität.
Mehrere Zielstrukturen haben sich in den letzten Jahren als klinisch relevant erwiesen oder befinden sich in fortgeschrittener klinischer Entwicklung:
HER2 (ERBB2) und HER3 (ERBB3) als Mitglieder der ErbB-Rezeptorfamilie
TROP2 (TACSTD2) als Zielstruktur von Sacituzumab-Govitecan und Datopotamab-Deruxtecan
FOLR1 (Folat-Rezeptor-α) als vielversprechendes Ziel bei luminalen und serösen Tumoren
B7-H4 (VTCN1) als immunregulatorisches Oberflächenprotein
EPCAM als epithelialer Adhäsionsmarker mit Stammzellbezug
LY75 (DEC-205) als Endozytose-Rezeptor mit potenzieller Eignung für ADC-Internalisierung
Während diese Marker in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien intensiv untersucht werden, ist ihre Expression im frühen Mammakarzinom, ihre subtypspezifische Verteilung sowie ihre prognostische Relevanz im Langzeitverlauf bislang unzureichend charakterisiert. Insbesondere ist unklar, ob eine erhöhte Expression dieser Zielstrukturen bereits im frühen Stadium mit aggressiver Tumorbiologie oder ungünstigem metastasenfreiem Überleben assoziiert ist.
Das etablierte Mainzer Microarray-Kollektiv mit 461 Patientinnen und langjährigem Follow-up bietet eine einzigartige Möglichkeit, diese Fragestellungen systematisch zu untersuchen.
Zielsetzung und Fragestellungen
Primäre Fragestellung
Ist die mRNA-Expression von HER2, HER3, TROP2, FOLR1, B7-H4, EPCAM und LY75 mit dem metastasenfreien Überleben (MFS) bei Patientinnen mit frühem Mammakarzinom assoziiert?
Sekundäre Fragestellungen
Weisen die untersuchten ADC-Zielstrukturen eine subtypspezifische Expressionsverteilung auf?
Sind einzelne Zielstrukturen unabhängige prognostische Marker nach Adjustierung für klinisch-pathologische Faktoren?
Gibt es Ko-Expressionsmuster zwischen den Zielstrukturen?
Lassen sich Expressionen identifizieren, die potenziell für eine frühe Patientinnenselektion für ADC-basierte Therapiestrategien relevant sein könnten?
Studiendesign
Retrospektive, monozentrische Genexpressions- und Überlebensanalyse.
Studienkollektiv
Die Analyse basiert auf dem Mainzer Affymetrix-Microarray-Kollektiv mit Langzeit-Follow-up, wie in Heimes et al., 2024 beschrieben
Heimes et al, 2024
.
Kollektivbeschreibung
n = 461 Patientinnen mit frühem invasivem Mammakarzinom
Primäre Operation zwischen 1986 und 2000
Frisch eingefrorenes Tumorgewebe verfügbar
Medianes Follow-up: >12 Jahre
Therapiegruppen
Node-negative Patientinnen ohne adjuvante Systemtherapie
Patientinnen mit adjuvanter endokriner Therapie (Tamoxifen)
Patientinnen mit adjuvanter Chemotherapie (CMF oder EC)
Methodik
Genexpressionsanalyse
Affymetrix HG-U133A Microarrays
Normalisierung mittels fRMA
Analyse der mRNA-Expression folgender Gene:
ERBB2 (HER2)
ERBB3 (HER3)
TACSTD2 (TROP2)
FOLR1
VTCN1 (B7-H4)
EPCAM
LY75
Die Expression wird als kontinuierliche Variable sowie dichotomisiert (≤ Median vs. > Median) analysiert.
Molekulare Subtypisierung
Analog zur Referenzpublikation:
Luminal A-like
Luminal B-like
Basal-like
HER2-positiv
Endpunkte
Primärer Endpunkt
Metastasenfreies Überleben (MFS)
Sekundäre Endpunkte
Subtypspezifisches MFS
Korrelation mit klinisch-pathologischen Parametern
Statistisches Konzept
Deskriptive Statistik zur Darstellung der Expressionsverteilung
Kaplan-Meier-Analysen (Log-Rank-Test)
Univariable Cox-Regression
Multivariable Cox-Regression adjustiert für:
Tumorgröße
Lymphknotenstatus
Histologisches Grading
Ki-67
Molekularen Subtyp
Explorative Korrelations- und Clusteranalysen zur Identifikation von Ko-Expressionsmustern
Ein Signifikanzniveau von p < 0,05 wird verwendet.
Ethik
Die Studie basiert auf einem bereits ethisch genehmigten Kollektiv (Ethikkommission Rheinland-Pfalz). Die Analysen erfolgen retrospektiv und pseudonymisiert.
Erwartete Bedeutung
Dieses Projekt adressiert eine hochaktuelle translational-onkologische Fragestellung an der Schnittstelle zwischen Molekularbiologie und innovativer Systemtherapie. Die Ergebnisse könnten:
die biologische Relevanz etablierter und neuer ADC-Zielstrukturen im frühen Mammakarzinom charakterisieren,
zur Identifikation prognostisch relevanter Expressionsmuster beitragen,
eine Grundlage für zukünftige prätherapeutische Patientinnenselektion für ADC-basierte Strategien schaffen.» weiterlesen» einklappen
Veröffentlichungen
- Schmidt, Marcus; Schroeder, Maria; Weide, Rudolf
- Metastatic breast cancer-targeted therapy