Floating Lights - Experimentelles Projection Mapping auf einem historischen Schiff
Laufzeit: 25.04.2025 - 27.04.2025
Partner: Stadt Mainz, IMG,
Förderung durch: Kultursommer RLP
Kurzfassung
Experimentelles Projection Mapping auf einem Boot
Multimediale Inszenierung im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2025 in Mainz
Abstract
Im Rahmen der Eröffnung des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2025 realisierte der Studiengang Zeitbasierte Medien der Hochschule Mainz unter der Leitung von Prof. Daniel Seideneder ein innovatives Projection-Mapping-Projekt im öffentlichen Raum. Als Projektions- und Performancerraum diente ein fest vertäutes Boot am Rheinufer. Unter dem Festivalmotto „...Experimentelles Projection Mapping auf einem Boot
Multimediale Inszenierung im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2025 in Mainz
Abstract
Im Rahmen der Eröffnung des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2025 realisierte der Studiengang Zeitbasierte Medien der Hochschule Mainz unter der Leitung von Prof. Daniel Seideneder ein innovatives Projection-Mapping-Projekt im öffentlichen Raum. Als Projektions- und Performancerraum diente ein fest vertäutes Boot am Rheinufer. Unter dem Festivalmotto „Forever Young?“ verband die Installation audiovisuelle Komposition, interaktive Systeme und Live-Performance zu einer hybriden, immersiven Erzählform. Der Beitrag analysiert die konzeptionellen, technischen und dramaturgischen Dimensionen des Projekts und diskutiert dessen Potenziale für zukünftige Anwendungen experimenteller Medienkunst im urbanen Kontext.
1. Einleitung
Zur Eröffnung des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2025 verwandelte sich das Mainzer Rheinufer zwischen Fischtorplatz und Malakoff-Terrasse in ein weitläufiges Kulturareal. Neben musikalischen und performativen Beiträgen renommierter Künstler:innen aus Rheinland-Pfalz und der Partnerregion Burgund-Franche-Comté präsentierte die Hochschule Mainz ein experimentelles Medienkunstprojekt, das sich bewusst jenseits klassischer Bühnenformate positionierte.
Zentrales Element der Inszenierung war ein historisches Schiff, das nicht nur als Projektionsfläche diente, sondern zugleich zum performativen Resonanzraum wurde. Durch die Verbindung von Echtzeit-Interaktion, generativem Storytelling und immersivem Sounddesign eröffnete das Projekt neue Perspektiven auf narrative Formate im öffentlichen Außenraum und lotete die Grenzen zwischen medialer Illusion und physischer Präsenz aus.
2. Motivation und konzeptioneller Rahmen
Das Projekt verfolgte mehrere miteinander verknüpfte Zielsetzungen. Zum einen griff es das Festivalmotto „Forever Young?“ auf und reflektierte generationenübergreifende Erfahrungen sowie gesellschaftliche Vorstellungen von Jugend, Alter und Veränderung. Zum anderen sollte die Verbindung klassischer und zeitgenössischer Medienformate zu einer vielschichtigen, multimedialen Erzählstruktur erprobt werden. Ein zentrales didaktisches Anliegen bestand zudem in der Förderung kooperativer Projektarbeit durch die enge Zusammenarbeit von Studierenden, Tutor:innen und Werkstattmitarbeitenden. Nicht zuletzt diente das Projekt der Sichtbarmachung der technologischen und gestalterischen Bandbreite des Studiengangs Zeitbasierte Medien.
Inhaltlicher Kern der Inszenierung war die Transformation eines virtuellen, animierten Charakters – eines Frosches – in eine reale Bühnenfigur. Diese Metapher für den Übergang zwischen virtueller und physischer Existenz spiegelte zugleich Prozesse des Wandels, des Alterns und der Kontinuität wider. Ergänzt wurde diese narrative Linie durch weitere symbolhafte Motive: die Erzählung „Noah und der Wal“, die ikonischen Flamingos aus dem Mainzer Volkspark sowie die visuelle Erscheinung einer Delfinansammlung. Diese Fragmente erweiterten die emotionale und assoziative Dimension der Installation und ermöglichten unterschiedliche Lesarten seitens des Publikums.
Die Vielfalt der beteiligten Lehrveranstaltungen führte zudem zu einer multiperspektivischen Gestaltung. Studierende verschiedener Semester entwickelten individuelle künstlerische Beiträge, die unterschiedliche Sichtweisen auf die Themen Jugend, Alter und Transformation artikulierten. Dadurch entstand eine vielschichtige Projektion, die nicht nur narrativ, sondern auch strukturell die Diversität kollektiver Erfahrungen widerspiegelte.
3. Technische Umsetzung
3.1 Audioproduktion
Die akustische Grundlage der Installation entstand aus eigens produziertem Klangmaterial. Hierzu entwickelten und bauten Studierende DIY-Unterwassermikrofone, mit denen Geräusche aus dem Rhein aufgezeichnet wurden. Diese Aufnahmen bildeten die Basis für eine experimentelle Soundcollage. Ergänzt wurde diese durch Echtzeit-Soundeffekte, die sowohl durch die Live-Performance eines Musikers als auch durch Interaktionen am Objekt beeinflusst wurden.
3.2 Visuals und Lichtsteuerung
Für eine präzise Anpassung der Projektionen an die komplexe Bootsgeometrie wurde das Objekt mittels LiDAR-Scanning digital erfasst. Auf dieser Grundlage konnte ein passgenaues Projection Mapping entwickelt werden. Zusätzlich kam ein DMX-basiertes Lichtsystem zum Einsatz, das klassische Projektion mit selbstleuchtenden, interaktiven Fensterelementen kombinierte.
Ein eigens entwickeltes Tracking-System kompensierte minimale Bewegungen des Bootes auf dem Wasser und trug so wesentlich zur visuellen Stabilität der Projektionen bei.
3.3 Interaktive Elemente
Die Fenster des Bootes fungierten als multisensorische Interfaces, die auf Berührungen mit Licht- und Klangreaktionen antworteten. Der virtuelle Charakter interagierte scheinbar autonom mit seiner Umgebung, wodurch ein dynamischer Dialog zwischen Boot, Publikum und Projektion entstand. Diese Interaktivität trug wesentlich zur Wahrnehmung der Installation als lebendiges, responsives System bei.
4. Storytelling und Dramaturgie
Die dramaturgische Struktur folgte einem klaren Spannungsbogen. Zu Beginn erkundete der animierte Frosch spielerisch die Möglichkeiten der Interaktion und löste erste Licht- und Klangreaktionen aus. Im weiteren Verlauf verdichtete sich die audiovisuelle Umgebung zunehmend. Den dramaturgischen Höhepunkt bildete die Metamorphose des virtuellen Charakters in eine reale Figur, verkörpert durch einen Musiker, der ein Live-Schlagzeugsolo performte.
Ab diesem Moment steuerte der Musiker durch seine Performance auch Licht- und Projektionslandschaften in Echtzeit und verlieh der Inszenierung eine improvisatorische, offene Struktur. Unterstützt durch Moving Lights und künstlichen Nebel wandelte sich die narrative Installation in ein immersives Konzerterlebnis. Jede Erzählsequenz dauerte etwa sechs Minuten und war als zylusfähig konzipiert, sodass das Publikum jederzeit einsteigen konnte.
5. Herausforderungen
Die Realisierung des Projekts war mit erheblichen technischen und organisatorischen Herausforderungen verbunden. Die Verwendung zahlreicher DIY-Komponenten, etwa bei den Unterwassermikrofonen und DMX-Systemen, erhöhte die Komplexität und Anfälligkeit des Gesamtsystems. Hinzu kamen die besonderen Anforderungen eines Wasserschauplatzes: Genehmigungen, Sicherheitskonzepte, Stromversorgung sowie die wetter- und schwankungsstabile Umsetzung von Licht und Ton mussten kurzfristig angepasst werden.
Ein vollständiger Systemtest unter Realbedingungen war erst am Veranstaltungstag möglich. Dennoch gelang eine stabile und erfolgreiche Umsetzung, die sowohl beim Publikum als auch bei den Verantwortlichen des Kultursommers auf große Resonanz stieß.
6. Fazit und Ausblick
Das Projekt verdeutlicht exemplarisch die kreativen Potenziale, die aus der Verbindung von Projection Mapping, interaktiven Interfaces und Live-Performance im öffentlichen Raum entstehen können. Die gezielte Verschränkung von virtueller und physischer Präsenz eröffnete neue narrative Formate jenseits traditioneller Raum- und Bühnenkonzepte.
Für zukünftige Projekte bieten sich insbesondere folgende Entwicklungslinien an: die technische Stabilisierung von DIY-Systemen für langlebige Open-Air-Installationen, die Erweiterung der Echtzeit-Interaktivität durch KI-gestützte Reaktionsmodelle sowie die Vertiefung modularer, publikumsabhängiger Dramaturgien.
Mit „Floating Lights“ leistete der Studiengang Zeitbasierte Medien der Hochschule Mainz einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung neuer Formen multimedialer Erzählkunst im urbanen Raum.» weiterlesen» einklappen