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Selbstkonzept von Lehrern für Sonderpädagogik

Laufzeit: ab 01.08.1997

Kurzfassung


Das Selbstkonzept gilt als zentrale Steuervariable für Handeln (vgl. Heckhausen 1989; Krampen 1987; Bauer 1998). Obwohl durchaus auch andere maßgebliche Aspekte für Handeln zu nennen sind (wie etwa die situativen Bedingungen oder die erlebte Selbstwirksamkeit), steht gerade hinter dem jeweiligen Handeln professionell Tätiger das berufsbezogene Selbstkonzept als maßgeblicher Faktor, denn es wird von ihnen erwartet, daß sie ihr berufliches Handeln bewußt, reflektiert und gezielt ausrichten....Das Selbstkonzept gilt als zentrale Steuervariable für Handeln (vgl. Heckhausen 1989; Krampen 1987; Bauer 1998). Obwohl durchaus auch andere maßgebliche Aspekte für Handeln zu nennen sind (wie etwa die situativen Bedingungen oder die erlebte Selbstwirksamkeit), steht gerade ´hinter´ dem jeweiligen Handeln professionell Tätiger das berufsbezogene Selbstkonzept als maßgeblicher Faktor, denn es wird von ihnen erwartet, daß sie ihr berufliches Handeln bewußt, reflektiert und gezielt ausrichten. Insofern wäre es von großem Interesse, mehr über das berufliche Selbstkonzept von Lehrern für Sonderpädagogik zu erfahren. Als Lehrer für Sonderpädagogik werden hier solche Personen verstanden, die in sonderpädagogischen Handlungsfeldern auf Lehrerstellen tätig sind. Der Begriff wurde gewählt, da sie, insbesondere im Zuge integrativ-schulischer Maßnahmen, längst nicht mehr alle als Sonderschul-Lehrer eingesetzt werden. Leider wurde dem Selbstkonzept im Rahmen der Lehrerforschung bislang sehr wenig Aufmerksamkeit zugewandt. Mit Terhart (vgl. 1995) kann man für die Entwicklung in der Lehrerforschung mehrere Stadien beschreiben: Entwicklung von Typologien, Untersuchung der Lehrerrolle, der Lehrersozialisation sowie derzeit schwerpunktmäßig von Lehrerbiographien. Über die Erforschung des Selbstkonzepts werden Aspekte zugänglich, die sich im Rahmen anderer Themenschwerpunkte nicht direkt eröffnen: insbesondere eine, auch vergleichende, Betrachtung größerer Gruppen im Hinblick auf ihr berufsbezogenes Selbstverständnis. Dabei ist festzustellen, daß sich Untersuchungen zum Selbstkonzept von Sonderschullehrern, anderen Lehrergruppen sowie Diplom-Pädagogen nur vereinzelt in den 70er und 80er Jahren finden (vgl. Stein 2000a). Eine genauere Analyse dieser Untersuchungen verweist auf einen breiten, weiteren Entwicklungsbedarf der zugrunde liegenden Forschungsdesigns. Eine fundierte Untersuchung s beruflichen Selbstkonzepts von Lehrern für Sonderpädagogik müßte insbesondere folgende Aspekte beachten: - eine möglichst vollständige Auslotung des Selbstkonzepts im Lebensbereich Beruf unter Einbezug eines rollensoziologischen Modells bei Berücksichtigung von sozialen und institutionellen Rollenbezügen, Aufgaben sowie Eigenschaften und Kompetenzen - eine Berücksichtigung maßgeblicher Parameter des Selbstkonzepts als eines psychologischen Konzepts: insbesondere der Selbst-Repräsentationen Ideal-, Aktual- und Sollte-Selbst (vgl. Higgins 1987), der Zentralität / des Involvement (vgl. Moser/Schuler 1993), des Kontrollerlebens bzw. der Selbstwirksamkeit (vgl. Krampen 1982; Bandura 1998) sowie der privaten und öffentlichen Selbstaufmerksamkeit (vgl. Wicklund/Frey 1993) - eine klare Definition der zu untersuchenden Gruppe von Lehrern (nicht konfundiert mit Studierenden und Referendaren) - ein Miteinbezug verschiedener Teilgruppen von Lehrern für Sonderpädagogik (Fachrichtungen, Arbeitsbereiche). Dem versucht ein vollständig neu entwickelter Fragebogen zur Erfassung des beruflichen Selbstkonzepts von Lehrern für Sonderpädagogik (FEBS-LS) gerecht zu werden. Er besteht aus einem Basisinstrumentarium von 30 Seiten, dessen Bearbeitung ersten Erprobungen zufolge ca. 2 1/2 Stunden in Anspruch nimmt. Es ist möglich, je nach Fragestellung aus diesem Basisinstrumentarium Teile zu einem konkreten Fragebogen (Bearbeitungszeit etwa 1 bis 1 1/2 Stunden) zusammenzustellen. Der Gesamtfragebogen entstand auf Basis verschiedener Analysen: - einer Untersuchung der Selbstkonzept-Theorie - einer Untersuchung der Rollentheorie - einer Analyse vorliegender empirischer Arbeiten zu Selbstkonzept, Selbstverständnis und Einstellungen von Lehrern - einer Auswertung von Meßinstrumenten zum allgemeinen sowie beruflichen Selbstkonzept sowie - einer qualitativen Vorstudie (vgl. Stein 2000b) auf Basis der "Repertory Grid - Technik" (vgl. Kelly 1955a; 1955b; 1986), adaptiert im Hinblick auf die Itemgenerierung von Fragebögen (vgl. Altstötter-Gleich 1996; 1998). Dabei steht insbesondere die Herausarbeitung unterschiedlicher selbstbezogener Perspektiven im Vordergrund: die Wahrnehmung des aktuellen (realen) Selbstkonzepts, der eigenen Idealansprüche, der wahrgenommenen (Sollens-) Ansprüche von außen sowie der Unterscheidung im Vergleich zu anderen ("Regel-Schul"-) Lehrern sowie zu anderen sonderpädagogischen Arbeitsbereichen. Erstes Ziel wäre der Einsatz eines spezifisch ausgewählten Teilfragebogens zur Beschreibung des beruflichen Selbstkonzepts von Lehrern für Sonderpädagogik. Dabei ergeben sich verschiedene grundlegende Untersuchungsfragen: - Durch welches Selbstkonzept-Profil beschreiben sich die befragten Lehrer für Sonderpädagogik? - Hinsichtlich welcher Dimensionen beschreiben die Befragten besondere eigene Idealansprüche sowie auch besondere erlebte Sollens-Anforderungen? - Inwiefern sehen die Befragten eine Abgrenzung ihres beruflichen Selbstkonzepts zu anderen Lehrergruppen hin? Hinsichtlich welcher Aspekte kann diese Abgrenzung inhaltlich spezifiziert werden? - Welche Profilunterschiede ergeben sich zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen (z.B. Fachrichtungen oder integrativ-schulischer Tätigkeit) sowie zwischen verschiedenen Ausbildungsbereichen (sonderpädagogischen Fachrichtungen als Studiengängen)? - Lassen sich besondere Gruppen oder "Typen" von Lehrern für Sonderpädagogik im Hinblick auf ihr berufliches Selbstkonzept unterscheiden? In einem ersten Einsatz mit einer größeren Stichprobe müßte sich das Meßinstrument bewähren. Zugleich ergeben sich Informationen (Beschreibung des beruflichen Selbstkonzepts der Befragten) im Hinblick auf die oben skizzierten Fragestellungen. Auf dieser Basis wäre es in Folgeuntersuchungen über Erweiterung durch Zusatzfragebögen (etwa zu psychophysischer Belastung, Erwartungsdruck, Burnout, Coping-Stilen) möglich, Informationen zu weiteren Fragestellungen zu gewinnen. Eine Analyse der Basisdaten sowie weiterer Untersuchungen könnte in verschiedener Weise wissenschaftlichen und praktischen Nutzen erbringen: - Durch diese systematisierte Rückmeldung von Berufsauffassungen aus der Praxis, die sich auf Eigenschaften, Kompetenzen, Aufgaben, Ziele und Rollenbezüge erstreckt, besteht die Möglichkeit des Abgleiches mit dem, was sich zu Rolle und Aufgaben von Sonderschullehrern in der wissenschaftlichen Literatur findet. Die Informationen aus der Praxis können so wichtige Erkenntnisse für die weitere wissenschaftliche Diskussion des Selbstverständnisses und der Rolle von Sonderpädagogen erbringen. - Aus den gewonnenen Erkenntnissen über sonderpädagogisches Selbstverständnis in der Praxis ergeben sich auch mögliche Konsequenzen für die sonderpädagogische Ausbildung in allen drei Ausbildungsphasen. - Aus dem Zusammenhang der erhobenen Berufsprofile mit ergänzenden Angaben über Belastungen und Belastungsverarbeitung ergeben sich darüber hinaus mögliche Konsequenzen für die Berufsberatung im Hinblick auf den Beruf des Lehrers für Sonderpädagogik (Sonderschullehrers): Gibt es z.B. bestimmte Eigenschaften, Kompetenzen, Sichtweisen, die helfen, in einem bestimmten sonderpädagogischen Berufsfeld ohne übermäßige subjektive Belastung erfolgreich bestehen zu können? Eine Itemauswahl des umfangreichen Basisinstruments soll Anfang 2001 eingesetzt werden, um eine Stichprobe von ca. 1300 Lehrern für Sonderpädagogik verschiedener Arbeitsbereiche in Rheinland-Pfalz zu befragen. Literatur: Altstötter-Gleich, C. (1996): Theoriegeleitete Itemkonstruktion und -auswahl: Eine Modifikation des Einsatzes der Repertory-Grid-Technik, dargestellt am Beispiel der Erfassung der Geschlechteridentität. Landau.
Altstötter-Gleich, C. (1998): Theoriegeleitete Itemkonstruktion und -auswahl mittels der Repertory-Grid-Technik. In: Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie 19 (3), 149-163.
Bandura, A. (1998): Self-Efficacy: The Exercises of Control. New York: Freeman.
Bauer, K.-O. (1998): Pädagogisches Handlungsrepertoire und professionelles Selbst von Lehrerinnen und Lehrern. In: Zeitschrift für Pädagogik 44, 343-359.
Heckhausen, H. (1989, 2. Aufl.): Motivation und Handeln. Berlin.
Higgins, E.T. (1987): Self Discrepancy: A Theory relating Self and Affect. In: Psychological Review 94 (3), 319-340.
Kelly, G.A. (1955a): Psychology of Personal Constructs. Vol. I. New York: Norton.
Kelly, G.a. (1955b): Psychology of Personal Constructs. Vol. II. New York: Norton.
Kelly, G.a. (1986): Die Psychologie der persönlichen Konstrukte. Paderborn.
Krampen, G. (1982): Differentialpsychologie der Kontrollüberzeugungen (Locus of Control). Göttingen.
Krampen, G. (1987): Handlungstheoretische Persönlichkeitspsychologie. Konzeptuelle und empirische Beiträge zur Konstrukterhellung. Göttingen.
Moser, K. / Schuler, H. (1993): Validität einer deutschsprachigen Involvement-Skala. In: Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 14, 27-36.
Stein, R. (2000a): Zum Selbstkonzept von Lehrern der Sonderpädagoik. In: S. Ellger-Rüttgardt, S. Dietze, G. Wachtel (Hrsg.): Sonderpädagogik und Rehabilitation auf der Schwelle in ein neues Jahrhundert. Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete 69 (3), 330-334.
Stein, R. (2000b): Das berufliche Selbstkonzept von Lehrern für Sonderpädagogik. Qualitative Studie zur Itemgenerierung mit der Repertory-Grid-Technik. Landau/Pfalz: Unveröff. Manuskript.
Terhart, E. (1995): Lehrerbiographien. In: E. König, P. Zedler (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band II: Methoden. Weinheim. 225-259.
Wicklund, R.A. / Frey, W. (1993, 2. Aufl.): Die Theorie der Selbstaufmerksamkeit. In: D. Frey, M. Irle (Hrsg.): Theorien der Sozialpsychologie, Band I: Kognitive Theorien. Bern: Huber. 155-173.
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