„Wie tief der kern dieses Volkes dem antiken wesen verwandt ist“ „Cultural Brokers“ und ihre Strategien zur Vermittlung des Unbekannten
Historische Zeitschrift. Bd. 310. H. 2. Walter de Gruyter GmbH 2020 S. 285 - 305
Erscheinungsjahr: 2020
ISBN/ISSN: 2196-680X
Publikationstyp: Zeitschriftenaufsatz
Doi/URN: 10.1515/hzhz-2020-0009
Inhaltszusammenfassung
Der vorliegende Aufsatz fragt nach Strategien kultureller Vermittler, den bei der Erstbegegnung mit einer fremden Kultur eintretenden Schock zu verarbeiten und die kulturellen Differenzen neu zu semantisieren und sinnhaft zu deuten. Er greift drei geografisch und chronologisch weit auseinanderliegende Fallbeispiele von kulturellen Vermittlern auf, die vor dem Hintergrund ihres umfassenden antiken Bildungswissens versuchten, die Fremde als „lebende Antike“ zu interpretieren: Missionare in Neus...Der vorliegende Aufsatz fragt nach Strategien kultureller Vermittler, den bei der Erstbegegnung mit einer fremden Kultur eintretenden Schock zu verarbeiten und die kulturellen Differenzen neu zu semantisieren und sinnhaft zu deuten. Er greift drei geografisch und chronologisch weit auseinanderliegende Fallbeispiele von kulturellen Vermittlern auf, die vor dem Hintergrund ihres umfassenden antiken Bildungswissens versuchten, die Fremde als „lebende Antike“ zu interpretieren: Missionare in Neuspanien im 16. und 17. Jahrhundert, einen Griechenlandreisenden der 1830er und einen Japanreisenden der 1930er Jahre. Der analysierte Vermittlungsprozess wird als „doppelte Allelopoiese“ beschrieben: die brokers stilisierten einerseits die Antike als zwar weit zurückliegenden, aber essentiellen Teil ihrer eigenen kulturellen Identität; sie parallelisierten andererseits die fremde Lebenswelt, mit der sie konfrontiert wurden, mit eben dieser Antike; in einem (nur analytisch zu isolierenden) dritten Schritt konnten sie so Parallelen zwischen der Fremde und dem Eigenen hervorheben und wechselseitige kulturelle Aneignungen (Transformationen) einleiten und rechtfertigen. Der Artikel schlägt eine weitere Ausarbeitung der „doppelten Allelopoiese“ als analytisches Instrument für die Erforschung der cultural brokers vor.» weiterlesen» einklappen