Steuermoral in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine diskursanalytische Rekonstruktion
Leviathan. Bd. 47. H. 2. Nomos Verlag 2019 S. 169 - 191
Erscheinungsjahr: 2019
ISBN/ISSN: 0340-0425
Publikationstyp: Zeitschriftenaufsatz
Doi/URN: 10.5771/0340-0425-2019-2-169
Inhaltszusammenfassung
Die Klage über mangelnde Steuermoral ist in der aktuellen Medienberichterstattung omnipräsent, aber sie ist nicht neu: Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bemängelt, die Deutschen in den westlichen Besatzungszonen hinterzögen ihre Steuern. Verfiel die westdeutsche Steuermoral schon damals? Wie veränderte sie sich im Zeitraum zwischen 1945 und 1953? Nach einem kurzen Überblick über die Geschichte der interdisziplinären Steuermoralforschung und einigen methodischen Überlegungen, wie H...Die Klage über mangelnde Steuermoral ist in der aktuellen Medienberichterstattung omnipräsent, aber sie ist nicht neu: Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bemängelt, die Deutschen in den westlichen Besatzungszonen hinterzögen ihre Steuern. Verfiel die westdeutsche Steuermoral schon damals? Wie veränderte sie sich im Zeitraum zwischen 1945 und 1953? Nach einem kurzen Überblick über die Geschichte der interdisziplinären Steuermoralforschung und einigen methodischen Überlegungen, wie Historiker*innen die Entwicklung der Steuermoral qualitativ untersuchen können, wird im vorliegenden Aufsatz der Diskurs um das Steuerzahlen in der Nachkriegszeit analysiert. Durch die Analyse von Zeitungsberichten und Parlamentsdebatten werden drei unterschiedliche, konkurrierende Narrative identifiziert, die geeignet waren, ganz verschiedene »policy windows« zu öffnen. Die historische Untersuchung zeigt, dass Narrative über das (ehrliche) Steuerzahlen immer mit bestimmten politischen Interessen verknüpft sind - und dass sie deshalb auch im aktuellen Diskurs über das (ehrliche) Steuerzahlen sorgfältig analysiert werden sollten. » weiterlesen» einklappen